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Es gibt Gelegenheiten in der Lebensgeschichte, wo deutlich wird: etwas ganz Neues greift Raum in meinem Leben, ich weiß zwar noch nicht so genau, was diese Veränderungen für mich für Folgen haben werden, aber dass sich mein Leben wandelt ist klar.
- Ich werde Mutter oder Vater – wohl jede und jeder wird dies als ein tief berührendes Ereignis erleben, das das eigene Leben in weitreichender Weise verändert: plötzlich sehe ich die Welt mit anderen Augen, Zukunft bekommt einen anderen Klang, ich werde von einem anderen Wesen gebraucht wie nie sonst und zugleich habe ich im Letzten ganz wenig in der Hand von dem, was nun beginnt.
- Ein Paar entschließt sich: wir wollen unserer Partnerschaft größere Verbindlichkeit geben. Wir setzen darauf, dass wir miteinander den Lebensweg teilen werden, einander sicher sein können, ohne voneinander abhängig zu werden, einander Freiheit zum Entwickeln gewähren wollen, ohne uns zu verlieren, und das ein Leben lang. Zwei Familiengeschichten begegnen sich, Traditionen und Weisen, die Welt zu sehen werden „neu gemischt“.
- Ein mir naher Mensch stirbt – ich merke, wie ein Stück vom eigenen Leben mit ihm oder ihr verloren geht. Pläne, die man noch miteinander hatte, werden nicht mehr ausgeführt, mir wird bewusst, das auch meine Lebenszeit Grenzen hat. Und dann der Schmerz, die Trauer – wie kann ich ihr überhaupt angemessen Ausdruck geben? Und wie den Wert und die Würde dieses zu Ende gegangenen Lebens bewahren und würdigen?
- Ich feiere meinen 50. Geburtstag – ein halbes Jahrhundert, wahrscheinlich mehr als das halbe Leben liegt hinter mir, vieles ist erreicht, die Kinder sind erwachsen geworden, Träume sind wahr geworden oder zur Seite gelegt, Erfolge waren auf dem Weg zu feiern und das eine oder andere ist gescheitert, steckengeblieben. Und es liegt noch eine ganze Strecke Weg vor mir: welchen Hoffnungen will ich in dieser begrenzten Zeit nachgehen? Was ist jetzt wichtiger als noch vor zehn Jahren?
Vier Beispiele für solche Gelegenheiten, bei denen zugleich deutlich wird, dass da vieles geschieht, was ich selbst nur begrenzt in der Hand habe, wo das Gelingen eines Weges nicht selbstverständlich ist, kurz: wo es gut ist, begleitet zu werden und eine Form zu finden, in der die Fragen und Ungewissheiten „aufgehoben“ werden.
Die Kirche hat dafür (jedenfalls für die ersten drei Beispiele) die klassischen „Kasualien“ entwickelt: Taufe, Trauung, Beerdigung – Rituale mit Segenshandlungen und einer auf den Horizont Gottes und die Bibel bezogenen Würdigung und Deutung von Lebensgeschichte. Das Projekt „Kirche bei Gelegenheit“ bietet solche Begleitung für die drei Gemeinden Bergstedt, Hoisbüttel (Ammersbek) und Volksdorf im Nordosten Hamburgs.
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